Rücktritt von der Lebensversicherung

Erstaunlich viele Österreicher schließen im Laufe ihres Lebens eine oder mehrere Lebensversicherung(en) ab. Erlebens- oder Lebensversicherungen scheinen in Österreich als sichere und zinsgünstige Kapitalsparmöglichkeit gefragt zu sein, weil sie dem Anleger Vorteile bieten. Auch die Nachkommen profitieren je nach gewähltem Produkt. Interessant ist, dass etwa die Hälfte aller abgeschlossenen Lebensversicherungen vorzeitig aufgekündigt oder in akuter Finanznot an Dritte verkauft werden. Es scheint, dass die Lebensversicherung nicht immer als Mittel der Zukunftsvorsorge eingesetzt, sondern auch als Kapitalanlage verwendet wird. Dabei verspekuliert man sich oft oder berücksichtigt möglicherweise eintretende Lebensveränderungen nicht in ausreichendem Maße. Unerwartete Arbeitslosigkeit, ein teurer Schaden am Haus oder schwere Erkrankung können die ursprüngliche Lebensplanung durcheinander bringen. In solchen Fällen geht man oft an die finanziellen Reserven und löst gegebenenfalls auch Versicherungen auf, die Kapital binden.

Kann man von einer Lebensversicherung zurücktreten?

Der Rücktritt von der Lebensversicherung ist prinzipiell möglich, aber nicht in jedem Fall. Die entscheidende Frage ist nämlich, bis zu welchem Zeitpunkt ein Rücktritt vom unterzeichneten Vertrag noch möglich ist. Wenn man nach der Unterzeichnung bei einem anderen Versicherungsunternehmen eine bessere Alternative entdeckt hat oder mittlerweile Bedenken bekommen hat, ob eine Lebensversicherung im Vergleich mit einer Pensionsversicherung tatsächlich die beste Alternative in Sachen Zukunftssicherung darstellt, kann man der Lebensversicherung die Kündigung bzw. das Rücktrittsersuchen zuschicken. Zuvor sollte man aber das Kleingedruckte im Vertrag sorgsam lesen. Das Versicherungsgesetz räumt dem Kunden ausdrücklich ein Rücktrittsrecht binnen einer bestimmten Frist ein. Ein Rücktritt von der Lebensversicherung ist aber nur binnen 30 Tagen nach Zusendung der beidseits unterzeichneten Versicherungsunterlagen an Sie möglich. Bevor Sie der Lebensversicherung die Kündigung des Vertrages zusenden, prüfen Sie bitte die inzwischen vergangene Zeit. Liegt die Frist noch innerhalb des vorgegebenen Zeitfensters, müssen Sie keine Gründe für den Rücktritt angeben. Nötig ist nur ein Einschreiben, in dem die Nummer der Versicherungspolice zusammen mit dem Rücktrittswunsch angegeben wird. Der Vertrag ist damit aufgelöst.

Unüberlegte Abschlüsse und ihre Folgen

Der Rücktritt von der Lebensversicherung ist allerdings nur dann komplett kostenfrei, wenn das Versicherungsunternehmen bisher keine Unkosten hatte, für die es in Vorleistung getreten ist. Für einen unüberlegten Vertragsabschluss muss man also möglicherweise eine Bearbeitungsgebühr zahlen. Das erscheint aber angemessen, denn bei langfristigen Vertragsbindungen sollte man schon im Vorfeld des Vertragsabschlusses genau überlegt haben, ob der Vertrag einem in dieser Variante nützt und tatsächlich optimal auf einen zugeschnitten ist. Trotzdem kommt es auch heute noch vor, dass ein umtriebiger Versicherungsagent einen im Gespräch von einem Produkt überzeugt, dessen Kauf man hinterher bedauert. Warum das so ist, spielt keine Rolle. Bevor Sie einer Lebensversicherung die Kündigung oder das Rücktrittsersuchen zuschicken, sollten Sie lieber schon beim Vorsorgegepräch mit dem Versicherungsberater handschriftliche Notizen zu den wichtigen Punkten machen, Fragen stellen und sich dann eine Bedenkzeit ausbitten. So können Sie nochmals Ihre derzeitige Situation und langfristige Lebensplanung überdenken, Ihre Finanzen durchrechnen und sich über eventuell erhältliche Vergleichsprodukte anderer Versicherer im Internet informieren. 

Wann ist welches Finanzprodukt sinnvoll?

Bei Versicherungsprodukten ist immer die Frage zu stellen, mit welcher Intention und Zielsetzung man die Versicherung abschließt. Möchte man vor allem Kapital ansparen und nach der Ablaufzeit sichere Zinsen erhalten, sollte man in Bezug auf die Lebensversicherung auch die Länge der Versicherungszeit bedenken. Die Rendite erwirbt man nämlich erst in der zweiten Hälfte der abgemachten Laufzeit. Ein Verkauf der Police vor der Zeit ist also meistens mit Finanzverlust verbunden. Das Geld ist langfristig, aber sicher festgelegt und steht nicht ohne weiteres zur Verfügung. Möchte man die Sicherheit haben, dass man im Notfall schnell an sein Geld herankommt, sind andere Produkte sicher sinnvoller. Geht es einem aber darum, die Nachkommen im Todesfall finanziell abzusichern, ist eine Lebensversicherung eine kluge Wahl. Angesichts der unterschiedlichen Inhalte und Konditionen solcher Versicherungen ist aber immer noch die Frage zu klären, welche Lebensversicherung den Wünschen am ehesten entspricht. Als Sicherheit für Bankkredite kann eine Lebensversicherung ebenfalls gute Dienste leisten. Insofern kann man durch die Existenz einer solchen Versicherung auch relativ kurzfristig an Geld kommen. Der bewilligte Kreditbetrag wird jedoch von der Höhe der inzwischen angesparten Summe abhängen. Bevor man sich auf dieses Finanzprodukt festlegt, könnte man aber auch andere Optionen und Wertpapier-Anlagen auf ihre Tauglichkeit als Kapitalanlage prüfen. Wer in Lebensversicherungen investiert, der möchte anscheinend nicht in riskante Geldanlagen investieren. Als sinnvolle Zukunftsvorsorge kann jedoch auch eine private Pensionsversicherung gelten.

Zukunftsvorsorge will überlegt sein!

Kenner wissen, dass man seine Zukunftsvorsorge am besten auf mehrere Beine stellt. Diejenigen, die konventionelle Geldanlagen bevorzugten, hatten in der aktuellen Finanzkrise die Nase vorn. Wer sein Kapital mit Devisenhandel oder anderen risikobehafteten und hochgradig spekulativen Anlageformen mehren wollte, hat sicher dazu gelernt. Die Höhe der Rendite ist bei einer sicheren Zukunftsvorsorge nicht so entscheidend wie die Sicherheit der Anlage. Ob eine Ablebensversicherung, eine Erlebensversicherung oder eine Pensionsversicherung für Sie die richtigen Produkte sind, hängt von Ihrer Lebensplanung ebenso ab wie von Ihren finanziellen Möglichkeiten.

Feedback